Kultur

Lernmaterialien für “Empowering Young Women and Girls” in Kenia

Ausgangssituation

Aufgrund von frühen Schwangerschaften oder tief in der Gesellschaft verwurzelten Traditionen bleibt vielen Mädchen und Frauen in Kenia der Zugang zu ausreichender Schulbildung verwehrt. Das Projekt Empowering Young Women and Girls am Standort Kilifi an der Ostküste Kenia fördert ca. 200 Mädchen und junge Frauen. In Workshops wird ihnen die nötige Allgemeinbildung zu Themen wie Hygiene, Entrepreneurship, Familienplanung, sexuell übertragbare Krankheiten, etc., vermittelt, die die Basis für ein selbstbestimmtes Leben darstellen. Das Projekt wurde 2014 von der Uwezo Development Initiative in Kilifi ins Leben gerufen.

Zielsetzung

Ziel des Masterkurses im Sommersemester 2016 bei Prof. Dr. Tewes war es, im Rahmen eines Projekts eine zielgruppenspezifische Lösung für den kenianischen Markt zu entwickeln. Durch die bestehenden Kontakte zu der Organisation Uwezo Development Initiative in Kenia bestand die Chance, die Lösung auf das Empowering Young Women and Girls Projekt auszurichten.

Eine Gruppe von 5 Masterstudierenden setzte sich zum Ziel, zielgruppengerechtes Lernmaterial für die Teilnehmerinnen der Trainings zu erstellen. Dabei war die zentrale Herausforderung, die kulturellen Gegebenheiten und den Wissensstand der Zielgruppe zu berücksichtigen.

In der ersten Phase des Projekts wurde dazu in Eigenrecherche und Gruppenarbeit Wissen zu Kenia und der Kultur angeeignet. Parallel wurden im direkten Austausch mit den Projektpartnern in Kenia Informationen zu den Gegebenheiten vor Ort gesammelt und Fragen geklärt: Welchen Wissensstand haben die Frauen? Können sie lesen und schreiben? Wie sind die Englischkenntnisse? Diese und viele weitere Fragen galt es vor der Gestaltung des Lernmaterials zu klären.

Umsetzung

Basierend darauf wurden 5 Poster gestaltet, die jeweils 1 Workshop-Thema behandeln. Die Themen waren: Hygiene, Health Prevention, Education, Business und Family and Job. Die Herausforderung lag insbesondere darin, die zu vermittelnden Informationen an die Sprachkenntnisse und Lesekenntnisse der Frauen anzupassen. Es wurde verstärkt auf visuelle Gestaltung gesetzt, angereichert mit kurzen Texten auf Simple English. Farblich wurden leuchtende Farben eingesetzt, was der Zielgruppe gerecht wird und den Materialien einen ansprechenden und motivierenden Charakter verleiht.

Die Poster erzählen die Geschichte von Barika und Imara. Imara ist eine junge Frau, gerade schwanger und vielen Problemen ausgesetzt. Sie repräsentiert eine Teilnehmerin des Projekts, mit der sich die Frauen identifizieren können. Barika kennt die Probleme von Imara, da sie auch in einer ähnlichen Situation war und sich mit Willen, Kraft und Unterstützung von anderen ein besseres Leben aufbauen konnte. Sie führt sie durch die Workshop-Themen, gibt ihr Tipps und Entscheidungshilfen und schenkt ihr Motivation und Durchhaltevermögen.

Die Poster werden durch Arbeitsblätter ergänzt. Hier können die Teilnehmerinnen die neuen Erkenntnisse reflektieren. Damit die Kenianer die Materialien einfach anpassen und reproduzieren können, wurden die Arbeitsblätter in MS Word erstellt.

Fazit

Die Poster und die Arbeitsblätter bieten einen Lösungsansatz, um die Workshop-Themen über eine ansprechende Gestaltung visuell und textlich der Zielgruppe näher zu bringen. Die Geschichte sorgt dafür, dass sich die Nutzer “abgeholt” fühlen und bringt die 5 Themen in einen Zusammenhang.

Kritische Würdigung

Die Lernmaterialien wurden in einer Exkursion nach Kenia im September 2016 den Projektpartnern in Kilifi übergeben, damit diese in den Trainings eingesetzt werden können.

Die Eindrücke aus der Kenia-Exkursion brachten viele Erkenntnisse und beantworteten nochmal viele Fragen, die bereits im Vorfeld der Erstellung der Lernmaterialien nützlich gewesen wären. Dementsprechend ist es kritisch zu betrachten, wie effektiv die erstellten Lernmaterialien in Kenia eingesetzt werden können. Die größte Hürde stellt vermutlich die Sprache dar, da sich herausgestellt hat, dass viele der Teilnehmerinnen weder lesen noch schreiben können. Die Materialien eignen sich daher weniger direkt für die Frauen, können aber gut als Informationsmaterial für die Trainer der Workshops eingesetzt werden.

Der Erkenntniszuwachs aus der Exkursion bietet die Chance, die Lernmaterialien entsprechend zu optimieren oder generell zu überdenken. Über welche Medien kann die Zielgruppe die Informationen am besten aufnehmen? Wie müssen die Informationen generell aufbereitet sein, damit der Mehrwert erkannt wird und die Materialien genutzt werden?

Schlussfolgerung

Damit Lernmaterialien wie diese in Kenia akzeptiert und nachhaltig genutzt werden, ist es wichtig, gleich von Anfang an bei der Erstellung mit den Kenianern zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise kann gemeinsam ein Konzept entwickelt werden, das vor Ort funktioniert. Bei dieser interkulturellen Zusammenarbeit müssen viele kulturelle Differenzen überwunden werden, was das gemeinsame Projekt  anspruchsvoll macht. Umso mehr jedoch können so wertvolle interkulturelle Erfahrungen gewonnen werden.

Projektautor

Nehmen Sie mit Simone Martin, Sissi Closs direkt Kontakt auf.

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